Der Anfang

Wann es begonnen hatte, daran konnte sich Aljoscha nicht mehr erinnern. Das ist so bei Engeln. Einen Geburtstag im eigentlichen Sinne haben sie nicht – jedenfalls schweigt sich der Allmächtige darüber aus. „Es reicht, dass ihr da seid. Alles müsst ihr auch nicht wissen“, pflegte er meist zu antworten, wann immer mal wieder einer der Engel seine Neugier nicht zügeln konnte. Die ungeduldigsten Engel waren die, die besonders viel mit den Menschen zu tun hatten und immer wieder erlebten, zu welchen Geburtstagsfesten diese in der Lage waren. Und fast alle schienen ihr Geburtsdatum zu kennen – jedenfalls die meisten. Aljoscha hatte noch nie nachgefragt. Ihm war es völlig egal, wann der Allmächtige ihn ins Dasein gerufen hatte. Manchmal stellte er sich den Moment wie ein Augenzwinkern Gottes vor – nach einem guten Gedanken – und von denen hatte Gottvater nun wirklich unermesslich viele. „Gute Gedanken und das Augenzwinkern Gottes.“ Aljoscha besah sich im Spiegel und dachte, dass dies eigentlich ganz gut zu ihm passen würde. Er dachte an all’ die Theologen und klugen Leute, die seit Jahrhunderten über Büchern und jetzt über ihren Laptops gebeugt in langen Abhandlungen darüber spekulieren, was denn ein Engel sei. „Ein guter Gedanke Gottes ist wirklich keine schlechte Beschreibung für einen Engel,“ dachte Aljoscha. Die waren ja immer in Gott und hatten also keinen Anfang im üblichen Sinne. Und bei mir kommt noch ein kleines Augenzwinkern hinzu, lächelte er spitzbübisch. Und er beschloss, das den Menschen in den Traum zu geben.